Wie viele Kreuzzüge gab es? Die wichtigsten Zählweisen erklärt

Redaktion ichschlauVeröffentlicht am 9 Min. Lesezeit
Historische Illustration zu Kreuzzügen mit Hafen im östlichen Mittelmeer, Gesandten und einer Siedlung im BaltikumKI-generiertes Bild
Kurz erklärt

Häufig werden sieben oder acht große Kreuzzüge ins östliche Mittelmeer gezählt; eine verbreitete Erweiterung unterscheidet neun. Für sämtliche Kreuzzüge gibt es keine verbindliche Gesamtzahl, weil auch Feldzüge auf der Iberischen Halbinsel, im Baltikum und gegen christliche Gegner zum weiteren Forschungsbegriff gehören.

  • Sieben oder acht bezeichnet meist die großen Orientkreuzzüge, nicht sämtliche Kreuzzüge.
  • Die Nummerierung hängt besonders von der Einordnung der Unternehmungen zwischen 1217 und 1229 ab.
  • Der sogenannte Kinderkreuzzug von 1212 war kein regulärer päpstlich organisierter Heereszug.
  • Kreuzzüge fanden auch auf der Iberischen Halbinsel, im Ostseeraum und innerhalb der lateinischen Christenheit statt.

Die Frage „Wie viele Kreuzzüge gab es?“ klingt nach einer übersichtlichen Liste mittelalterlicher Feldzüge. Tatsächlich verbindet sie zwei unterschiedliche Probleme: Welche Unternehmungen verdienen die Bezeichnung Kreuzzug, und welche davon werden als eigenständige Ereignisse gezählt? Die bekannte Zahlenreihe beantwortet vor allem eine engere Frage nach großen Expeditionen ins östliche Mittelmeer.

Jerusalem stand dabei im Mittelpunkt, doch die Kreuzzugsbewegung reichte weit darüber hinaus. Päpste, Fürsten, Ritterorden, Städte und religiöse Laienbewegungen verfolgten unterschiedliche Ziele. Deshalb erklärt erst die Verbindung von Schauplatz, kirchlicher Anerkennung und politischem Zusammenhang, weshalb mehrere Zählweisen nebeneinander bestehen.

Wie viele Kreuzzüge gab es nach der traditionellen Zählung?

Die traditionelle Zählung umfasst häufig sieben oder acht große Orientkreuzzüge zwischen dem späten 11. und dem späten 13. Jahrhundert. Gemeint sind vor allem Unternehmungen zur Eroberung, Verteidigung oder Rückgewinnung christlicher Herrschaften im östlichen Mittelmeer. Diese Übersicht ist nützlich, bildet aber weder sämtliche Expeditionen in diese Region noch die gesamte Kreuzzugsbewegung ab.

Eine verbreitete Acht-Zählung beginnt mit dem Ersten Kreuzzug von 1096 bis 1099 und endet mit Ludwigs IX. Feldzug nach Tunis 1270. Sie behandelt den Kreuzzug gegen Damiette von 1217 bis 1221 als fünften und Friedrichs II. Unternehmung von 1228 bis 1229 als sechsten Kreuzzug. Die beiden Feldzüge Ludwigs IX. erhalten entsprechend die Nummern sieben und acht.

In einer verbreiteten Sieben-Zählung werden die Unternehmungen von 1217 bis 1229 dagegen zu einem größeren Zusammenhang verbunden. Friedrichs Expedition erscheint darin als Fortsetzung des zuvor begonnenen Kreuzzugsprojekts. Dadurch rücken die späteren Unternehmungen in der Nummerierung nach vorn, ohne dass deshalb ein historisches Ereignis verschwindet.

Eine Neun-Zählung unterscheidet zusätzlich den Feldzug des englischen Prinzen Eduard, des späteren Königs Eduard I., von 1271 bis 1272. Andere Darstellungen behandeln diesen als Nachspiel des Unternehmens von 1270. Die Abweichung betrifft somit nicht die Existenz der Expedition, sondern ihre Einordnung als selbstständiger Kreuzzug innerhalb einer nachträglich geschaffenen Reihe.

Auch diese längere Liste bleibt selektiv: Der Kreuzzug von 1101 und der sogenannte Baronenkreuzzug von 1239 bis 1241 fehlen gewöhnlich in der Nummernfolge. Eine sachgerechte Kurzantwort lautet deshalb: häufig sieben oder acht große Orientkreuzzüge, je nach Zählweise auch neun. Eine Gesamtzahl aller Kreuzzüge lässt sich daraus nicht ableiten.

Was unterschied einen Kreuzzug von anderen mittelalterlichen Kriegen?

Ein Kreuzzug war nicht einfach jeder Krieg zwischen Christen und Muslimen. Kennzeichnend wurde eine Verbindung aus kirchlicher Autorisierung, religiösem Gelübde, dem symbolischen Annehmen des Kreuzes und besonderen geistlichen Privilegien. Diese Merkmale bildeten sich schrittweise heraus; für das gesamte Mittelalter lässt sich deshalb keine unveränderliche Checkliste voraussetzen.

Eine entscheidende Rolle spielte das Papsttum. Päpstliche Aufrufe und bevollmächtigte Prediger warben für Unternehmungen, deren Teilnahme unter bestimmten Voraussetzungen mit einem Ablass verbunden war. Dieser betraf im kirchlichen Verständnis die Folgen bereits bereuter Sünden beziehungsweise auferlegte Bußleistungen und war keine pauschale Erlaubnis für beliebiges Verhalten während des Krieges.

Kreuzfahrer konnten außerdem rechtliche Schutzbestimmungen für Besitz und Angehörige beanspruchen. Religiöse Bindung erhielt dadurch eine institutionelle Form, die über persönliche Frömmigkeit hinausging. Die praktische Durchführung blieb dennoch von weltlichen Herrschern, Adligen, Kreditgebern und Transportleistungen abhängig; ein päpstlicher Aufruf erzeugte weder automatisch ein einheitliches Heer noch eine gesicherte Versorgung.

Der unmittelbare Hintergrund des Ersten Kreuzzugs lag auch im Verhältnis zwischen dem Byzantinischen Reich und seinen westlichen Nachbarn. Nach dem Untergang des Weströmischen Reiches bestand die römische Kaiserherrschaft im Osten fort. Kaiser Alexios I. Komnenos suchte militärische Unterstützung gegen türkische Gegner, doch der westliche Kreuzzug entwickelte Ziele, die über begrenzte byzantinische Hilfserwartungen hinausreichten.

Der Forschungsbegriff bleibt deshalb umstritten. Engere Definitionen stellen Jerusalem und das Heilige Land in den Mittelpunkt; weitere Definitionen gewichten päpstliche Autorisierung und Kreuzzugsprivilegien stärker und schließen andere Kriegsschauplätze ein. Beide Perspektiven erklären historische Zusammenhänge, ergeben aber unterschiedliche Ereignislisten und dürfen nicht stillschweigend miteinander vermischt werden.

Welche Feldzüge gehören zu den großen Orientkreuzzügen?

Der Erste Kreuzzug folgte auf den Aufruf Papst Urbans II. von 1095 und führte 1099 zur Einnahme Jerusalems. Im Zuge der Eroberungen entstanden unter anderem das Königreich Jerusalem, das Fürstentum Antiochia und die Grafschaft Edessa. Beim Fall Jerusalems verübten die Eroberer Massaker an muslimischen und jüdischen Einwohnern; der militärische Erfolg begründete keine friedliche oder dauerhaft gesicherte Herrschaft.

Der Zweite Kreuzzug von 1147 bis 1149 reagierte auf den Verlust Edessas 1144. Die Könige Ludwig VII. von Frankreich und Konrad III. zogen nach Osten, scheiterten jedoch insbesondere mit dem Angriff auf Damaskus. Der Dritte Kreuzzug von 1189 bis 1192 folgte auf Saladins Sieg bei Hattin und die Rückeroberung Jerusalems 1187; Richard Löwenherz und weitere Herrscher sicherten Küstenpositionen, gewannen Jerusalem aber nicht zurück.

Der Vierte Kreuzzug von 1202 bis 1204 verfehlte sein ursprüngliches Ziel grundlegend. Finanzielle Abhängigkeiten gegenüber Venedig und Eingriffe in byzantinische Thronkonflikte führten das Heer schließlich gegen Konstantinopel. Die Eroberung und Plünderung der christlichen Metropole 1204 schufen ein lateinisches Kaiserreich und schwächten Byzanz nachhaltig, statt die Herrschaft über Jerusalem wiederherzustellen.

In der Acht-Zählung folgte als Fünfter Kreuzzug das Unternehmen von 1217 bis 1221, dessen Schwerpunkt schließlich in Ägypten lag. Nach der Einnahme Damiettes endete der Vormarsch mit einer Niederlage und der Aufgabe der Stadt. Friedrich II. erreichte dagegen 1229 durch Verhandlungen mit Sultan al-Kamil die zeitweilige Übergabe Jerusalems und weiterer Orte an die christliche Seite, wobei der Tempelberg unter muslimischer Verwaltung blieb.

Der Siebte Kreuzzug von 1248 bis 1254 stand unter Ludwig IX. von Frankreich und richtete sich erneut gegen Ägypten. Nach anfänglichen Erfolgen geriet der König 1250 in Gefangenschaft und kam gegen Lösegeld sowie die Rückgabe Damiettes frei; anschließend blieb er mehrere Jahre im Heiligen Land. Sein nächster Feldzug führte 1270 nach Tunis, wo er während einer Seuche starb.

Diese Zählung ist geografisch also nicht ganz wörtlich zu verstehen: Tunis liegt im westlichen Mittelmeerraum, wird aber wegen des Zusammenhangs mit Ludwigs Kreuzzugspolitik meist einbezogen. Eduards anschließende Expedition erreichte hingegen das Heilige Land und kann als neunter Kreuzzug erscheinen. Auch das zeigt, dass politische Verbindungen und erzählerische Traditionen die Liste ebenso prägen wie Zielorte und Jahreszahlen.

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Friedrich II. erreichte 1229 die zeitweilige Übergabe Jerusalems durch einen Vertrag mit Sultan al-Kamil, obwohl der Kaiser damals vom Papst exkommuniziert war.

Warum zogen die Kreuzfahrer nach Osten und welche Folgen hatte das?

Jerusalem besaß für die lateinische Christenheit herausragende religiöse Bedeutung, besonders wegen der Stätten von Kreuzigung und Auferstehung Jesu. Kreuzzugspredigten verbanden deren Rückgewinnung mit Buße, Pilgerfahrt und Hilfe für östliche Christen. Solche Vorstellungen waren handlungsleitende Überzeugungen, nicht bloß eine vorgeschobene Begründung für wirtschaftliche Interessen, obwohl religiöse Motive materielle Ziele keineswegs ausschlossen.

Die individuellen Beweggründe unterschieden sich erheblich. Adlige konnten familiären Verpflichtungen folgen, Ansehen suchen oder Herrschaftsmöglichkeiten anstreben; andere Teilnehmer hofften auf geistlichen Lohn und die Erfüllung eines Gelübdes. Weil Ausrüstung, Reise und Versorgung hohe Kosten verursachten, greift die Vorstellung eines einfachen Beutezugs zu kurz: Zahlreiche Kreuzfahrer verpfändeten oder verkauften Besitz zur Finanzierung.

Auf der Gegenseite bestand ebenfalls kein geschlossener Block. Seldschukische Herrschaften, das fatimidische Ägypten und später die Ayyubiden und Mamluken vertraten unterschiedliche Interessen; Rivalitäten erleichterten zunächst die westlichen Eroberungen. Herrscher wie Nur ad-Din und Saladin verbanden militärische Machtbildung mit religiöser Mobilisierung gegen die Kreuzfahrerstaaten, ohne sämtliche inneren Konflikte dauerhaft aufzuheben.

Die Folgen reichten von neuen Herrschaftsstrukturen bis zu Vertreibung, Versklavung und Massengewalt. Bereits 1096 verübten Gruppen im Umfeld der Kreuzzugsbewegung schwere Übergriffe auf jüdische Gemeinden im Rheinland. Zugleich bestanden zwischen den Kriegen Handel, Verhandlungen und zeitweilige Bündnisse über religiöse Grenzen hinweg; diese Kontakte relativieren die Gewalt nicht, machen aber die politischen Beziehungen verständlicher.

1291 eroberten die Mamluken Akkon, das wichtigste verbliebene Zentrum der Kreuzfahrerherrschaft an der levantinischen Küste. Damit endete die größere lateinische Territorialherrschaft in dieser Region, nicht jedoch die Kreuzzugsidee. Weitere Planungen, Inselherrschaften und später gegen die Osmanen gerichtete Unternehmungen zeigen, weshalb auch ein festes Enddatum für sämtliche Kreuzzüge problematisch bleibt.

War der Kinderkreuzzug von 1212 ein richtiger Kreuzzug?

Der sogenannte Kinderkreuzzug bezeichnet religiöse Bewegungen des Jahres 1212, die vor allem mit einem Stephan aus Cloyes in Frankreich und einem Nikolaus aus dem Rheinland verbunden werden. Die beiden Bewegungen waren kein einheitlich geführtes Unternehmen. Ihre genaue Zusammensetzung, ihre Wege und die Vorstellungen der Beteiligten lassen sich aus den erhaltenen Quellen nur teilweise rekonstruieren.

Der Name erweckt den Eindruck eines geschlossenen Heeres kleiner Kinder. Dafür reicht die Überlieferung nicht aus: Jugendliche waren beteiligt, doch Alter und sozialer Status der Gruppen bleiben umstritten. Die lateinische Bezeichnung „pueri“ lässt sich nicht in jedem Zusammenhang eindeutig auf Kinder im heutigen Sinn festlegen; daneben können arme und gesellschaftlich wenig abgesicherte Menschen eine Rolle gespielt haben.

Für die rheinische Bewegung berichten Quellen von einem Zug über die Alpen nach Italien. Religiöse Erwartungen und die Hoffnung auf einen besonderen göttlichen Beistand prägten das Geschehen. Ein militärisch organisierter Feldzug zur Eroberung Jerusalems kam jedoch nicht zustande, und die Bewegung besaß nicht die institutionelle Struktur eines regulären, päpstlich autorisierten Kreuzzugs.

Besonders bekannt ist die Erzählung, betrügerische Schiffseigner hätten die Kinder nach Nordafrika verschleppt und verkauft. Ihre ausführliche Form stammt aus späterer Überlieferung und gilt nicht als gesicherte Gesamtdarstellung des Geschehens. Auch genaue Opferzahlen oder ein einheitliches Schicksal sämtlicher Beteiligter lassen sich nicht zuverlässig angeben; Rückkehr, Zerstreuung und individuelle Weiterwege sind getrennt zu betrachten.

In der traditionellen Nummerierung erscheint der Kinderkreuzzug deshalb nicht als zusätzlicher großer Orientkreuzzug. Historisch bleibt er dennoch wichtig, weil er die Anziehungskraft der Kreuzzugsidee außerhalb fürstlich geführter Heere sichtbar macht. Die Bezeichnung beschreibt somit einen Teil der religiösen Mobilisierung des frühen 13. Jahrhunderts, nicht einfach einen weiteren regulären Feldzug zwischen dem vierten und fünften Kreuzzug.

Warum zählen auch Kreuzzüge im Baltikum und in Europa dazu?

Im Ostseeraum verbanden sich Mission, Herrschaftsausbau und militärische Eroberung über längere Zeiträume. Päpstlich unterstützte Unternehmungen gegen nichtchristliche Bevölkerungen erhielten Kreuzzugscharakter, obwohl Jerusalem nicht ihr unmittelbares Ziel war. Der Wendenkreuzzug von 1147 gegen slawische Gruppen südlich der Ostsee gehört in diesen Zusammenhang und fand gleichzeitig mit dem Zweiten Kreuzzug statt.

In Livland und Preußen gewannen geistliche Herrschaften und Ritterorden besondere Bedeutung. Der Schwertbrüderorden, später in den Deutschen Orden eingegliedert, sowie der Deutsche Orden selbst errichteten durch Kriege, Burgenbau und politische Vereinbarungen dauerhafte Machtstrukturen. Bischöfe, Kaufleute, Siedler und lokale Verbündete waren daran ebenfalls beteiligt; die Entwicklung lässt sich nicht auf isolierte Ritterheere reduzieren.

Für die betroffenen Gesellschaften bedeutete die Expansion häufig Gewalt, Abhängigkeit und tiefgreifende Veränderungen religiöser und rechtlicher Ordnungen. Gleichzeitig unterschieden sich Widerstand, Bündnisse und Formen der Christianisierung von Region zu Region. Die Konflikte mit Litauen dauerten auch nach dessen offizieller Hinwendung zum lateinischen Christentum im späten 14. Jahrhundert an, was die eigenständigen territorialen Interessen der beteiligten Mächte offenlegt.

Auf der Iberischen Halbinsel wurden bestimmte Feldzüge christlicher Herrscher gegen muslimische Reiche ebenfalls mit päpstlichen Kreuzzugsprivilegien ausgestattet. Dazu gehören Unternehmungen im Umfeld der Einnahme Lissabons 1147 und der Schlacht bei Las Navas de Tolosa 1212. Die gesamte, über Jahrhunderte verlaufende christliche Expansion unter dem Sammelbegriff Reconquista ist deshalb aber nicht automatisch als ein einziger Kreuzzug einzuordnen.

Hinzu kamen Kriege gegen christliche oder als häretisch verurteilte Gegner, besonders der Albigenserkreuzzug von 1209 bis 1229 in Südfrankreich. Auch päpstliche Konflikte mit politischen Gegnern konnten als Kreuzzüge ausgestattet werden. Der weitere Forschungsbegriff verbindet diese Schauplätze über gemeinsame religiöse und rechtliche Instrumente, ohne ihre unterschiedlichen Ursachen, Akteure und Folgen gleichzusetzen.

Wie lässt sich die Zahl der Kreuzzüge historisch sinnvoll einordnen?

Eine belastbare Zählung beginnt mit einer Definition und nicht mit einer Zahl. Für eine Übersicht über große Orientexpeditionen ist die traditionelle Reihe geeignet; für eine Untersuchung päpstlich autorisierter Kriegführung reicht sie nicht aus. Ebenso verändert sich das Ergebnis, sobald einzelne Wellen, Fortsetzungen oder regionale Teilunternehmen jeweils als eigenständiger Kreuzzug gelten.

Die Quellen sprechen zudem aus unterschiedlichen Perspektiven. Lateinische Chronisten wie Fulcher von Chartres, die byzantinische Autorin Anna Komnena und muslimische Geschichtsschreiber wie Ibn al-Athir beschrieben Ereignisse mit eigenen politischen und religiösen Deutungsmustern. Ihre Darstellungen ergänzen sich, sind aber weder zeitlich gleich nah am Geschehen noch in Begriffen und Interessen deckungsgleich.

Neben Chroniken helfen päpstliche Briefe, Urkunden, Rechtsbestimmungen und materielle Überreste bei der Einordnung. Ein Aufruf belegt zunächst eine Absicht, nicht bereits die tatsächliche Durchführung eines Feldzugs. Ebenso konnten Menschen ein Kreuzzugsgelübde ablegen, dessen Erfüllung verschieben oder davon entbunden werden; angekündigte Unternehmungen und ausgeführte Expeditionen dürfen deshalb nicht unterschiedslos zusammengezählt werden.

Auch die spätere Verbreitung von Texten beeinflusste die Erinnerung. Der Buchdruck eröffnete im 15. Jahrhundert zusätzliche Wege, Ablassbriefe und Aufrufe im Zusammenhang mit dem Kampf gegen die Osmanen zu verbreiten. Die Kreuzzugsidee bestand also weiter, während die heute geläufige nummerierte Reihe vor allem rückblickend Ordnung in ausgewählte mittelalterliche Unternehmungen brachte.

Spätere nationale oder religiöse Erzählungen konnten einzelne Siege hervorheben und andere Schauplätze oder Opfergruppen ausblenden. Solche Auswahlmechanismen lassen sich auch unter dem Blickwinkel kognitiver Verzerrungen betrachten, ersetzen aber keine konkrete Quellenkritik. Die historisch tragfähige Antwort bleibt daher abgestuft: sieben oder acht große Orientkreuzzüge in häufigen Übersichten, gelegentlich neun, jedoch keine allgemein verbindliche Gesamtzahl der gesamten Kreuzzugsbewegung.

Häufige Fragen

Gab es sieben oder acht Kreuzzüge?

Beide Angaben kommen in traditionellen Übersichten vor. Eine verbreitete Sieben-Zählung fasst die Unternehmungen zwischen 1217 und 1229 zusammen, während die Acht-Zählung den Damiette-Kreuzzug und Friedrichs II. Expedition trennt. Entscheidend ist deshalb die jeweilige Ereignisliste.

Warum ist manchmal von neun Kreuzzügen die Rede?

Die Neun-Zählung führt Eduards Expedition von 1271 bis 1272 als eigenständigen Kreuzzug. Andere Darstellungen verbinden sie mit dem vorhergehenden Unternehmen Ludwigs IX. Auch neun bezeichnet somit keine Gesamtzahl aller Kreuzzüge.

Gehörten alle Orientkreuzzüge zu Feldzügen nach Jerusalem?

Jerusalem blieb ein zentraler Bezugspunkt, war aber nicht immer das unmittelbare Angriffsziel. Mehrere Feldzüge richteten sich gegen Ägypten, der Vierte Kreuzzug endete in Konstantinopel und Ludwigs IX. letzte Expedition führte nach Tunis.

Waren beim Kinderkreuzzug ausschließlich Kinder beteiligt?

Das ist nicht gesichert und gilt als zu einfache Vorstellung. Die Quellen deuten auf Jugendliche und möglicherweise sozial unterschiedlich zusammengesetzte Gruppen hin. Eine genaue Altersverteilung lässt sich nicht rekonstruieren.

Endeten die Kreuzzüge mit dem Fall Akkons 1291?

1291 endete die größere lateinische Territorialherrschaft an der levantinischen Küste. Kreuzzugsaufrufe, Planungen und Unternehmungen auf anderen Schauplätzen bestanden jedoch weiter. Für die gesamte Kreuzzugsbewegung ist dieses Datum deshalb kein allgemeiner Endpunkt.

Dieser Artikel wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt und redaktionell aufbereitet. Stand: Oktober 2026.